Nachstehend veröffentlichen wir das Antwortschreiben von Thomas Schührer auf das Schreiben von Herrn Drobinski am 30.03.2014.

"Sehr geehrter Herr Drobinski,

vielen Dank für Ihr freundliches und erläuterndes Schreiben. Ich freue mich, dass Sie mein Schreiben so aufgefasst haben, wie es gemeint war - kritisch in der Sache, aber nicht gegen Sie persönlich gerichtet. Dies betone ich besonders vor dem Hintergrund, dass Sie in der Causa Limburg gut recherchierte und informative Artikel verfasst haben.

 

In der Tatsache, dass Papst Franziskus den Limburger Bischof, Dr. Franz-Peter Tebartz-van Elst, wegen der Situation im Bistum nicht mehr zum Dienst nach Limburg zurückgesandt hat, sehe ich eine große Chance. Nun ist der Weg frei, das Wirken der Presse und die Verantwortung der anderen Parteien im Bistum sachlich zu betrachten. Jetzt schwebt nicht mehr über allen Fragen und Äußerungen die emotionalisierende Frage nach einer möglichen Rückkehr des Bischofs in sein Bistum.

Ich stimme mit Ihnen überein, was Sie über die Entstehung eines Medienhypes sagen. Ab einem bestimmten Zeitpunkt müssen alle Medien zum Thema berichten. Auch diejenigen, die weder über die Ressourcen noch die nötige Kompetenz für eigene Recherchen verfügen. Diesen Redaktionen bleibt leider nichts anderes übrig, als bei Kollegen abzuschreiben. Eine sich gegenseitig ständig weiter aufschaukelnde Welle baut sich so auf. Es entsteht eine unheilvolle Eigendynamik.

Ich stimme Ihnen ferner zu, dass dieser Effekt nicht als Medienkampagne bezeichnet werden kann. Das wäre es nur, wenn Absprachen nachweisebar wären und planmäßig ein Ziel verfolgt würde.

Wegen dieser bekannten und unvermeidlichen Eigendynamik, kommt gerade jenen Journalisten eine ganz besondere Verantwortung zu, die durch wiederholte Publikationen - besonders in den Leitmedien - zur Richtschnur für andere Redaktionen werden. Diese besondere Verantwortung verpflichtet die betreffenden Journalisten zu besonderer Sorgfalt und Gewissenhaftigkeit. Ich kann leider Ihren Optimismus, nicht teilen, dass dies von den maßgeblichen Kollegen ausreichend beachtet wurde. Ich will Ihnen meine Gründe für diesen Zweifel und die meines Erachtens ungeklärten Fragen darlegen:

Wurde in der Berichterstattung und der Bewertung der Situation und der Person des Bischofs berücksichtigt, dass der Bischof bei dem, was er im Bistum vorfand, das Gefühl vermittelt bekam, er sei wie ein Einzelkämpfer in feindlichem Gebiet abgesetzt worden?

Wurde berücksichtigt, dass durch diese für den Bischof belastende Situation einzelne Personen - insbesondere Generalvikar Kaspar - zu mehr Einfluss kamen, als dies gesund war und unter normalen Umständen der Fall gewesen wäre?

Wurde berücksichtigt, dass im Ordinariat in Limburg ein vertrauensvolles Miteinander, eine seriöse Teamarbeit vollkommen unmöglich ist, weil es löchriger ist als ein Schweizer Käse es je sein kann? Wurde beachtet, dass alles, was im Ordinariat oder im bischöflichen Büro überlegt, besprochen und beschlossen wurde, ständig an Redaktionen durchgestochen wurde, die sich, spätestens nach der Absetzung des Bezirksdekans von Wetzlar, offen feindselig gegenüber dem Bischof verhielten?

Wurde kommuniziert, dass die letztlich fatale Geheimhaltungsstrategie unter anderem die Fortsetzung der vom Domkapitel geübten Praxis war, das dann aber später exakt dieses Handeln am Bischof kritisierte? Wurde irgendwann berichtet, dass diese Geheimhaltungspraxis auch eine Reaktion auf diese permanenten Indiskretionen und daraus folgenden medialen Angriffe war?

Sind die Mehrkosten durch fehlende Kostenkontrolle nicht entstanden, weil die zur Vermeidung notwendigen Fachleute aufgrund dieser Geheimhaltungsstrategie nicht herangezogen werden konnten?

Hätte das Bauprojekt also vielleicht ein Erfolg werden können, wenn das Domkapitel von Anfang an alle Karten offengelegt hätte und der Bischof nicht beinahe vom ersten Tag an gehetzt worden wäre?

Wurden den Bürgerinnen und Bürgern dieses Landes verständlich dargestellt,

- dass zu keinem Zeitpunkt Mittel der öffentlichen Hand in die Baumaßnahmen geflossen sind, es sich also zunächst um eine rein innerkatholische Angelegenheit handelt (die Kommentare im Netz zeigen in eine andere Richtung)?

- dass aus der Kirchensteuer lediglich 2,5 Mio. flossen, die vom Domkapitel 2004 bereits beschlossen und zurückgestellt wurden (es sich also eigentlich um eine Limburger Angelegenheit handelt)?

- dass die 31 Mio. nicht sinnlos verschwendet wurden, sondern damit bleibende Werte geschaffen wurden?

- dass also bilanztechnisch betrachtet, der Bischöfliche Stuhl langfristig wahrscheinlich um keinen Euro ärmer ist?

Thema Bischöflicher Stuhl: Dieser besteht aus sechs maßgeblichen Personen:

  • dem Geschäftsführer (ein Ökonom);
  • dem Generalvikar Kaspar (Lebenserfahrung, mit Diözese vertraut, Chef der Verwaltung, politisch und strategisch versiert);

der Vermögensverwaltungsrat, bestehend aus

  • einem Wirtschaftsprüfer;
  • einem Geschäftsführer einer größeren Organisation;
  • einem ehemaligen Staatsminister und ehemaligem Staatssekretär im Finanzministerium und
  • einem Theologieprofessor.

Wurde ausreichend die Frage untersucht, wieso fünf ausgewiesene Finanzexperten auf den Theologieprofessor zeigen (der aufgrund des Kirchenrechts freilich am Ende alles unterschreibt) und inhaltlich behaupten: „Dieser Theologieprofessor hat uns Finanzexperten in Finanzfragen komplett hinters Licht geführt.“?

Kann es richtig sein, dass einzelne Aspekte immer und immer wieder hochgekocht wurden, gerade wenn es mal nichts spektakuläres Neues zu berichten gab? Ist das noch seriöse Berichterstattung, oder meinen nicht auch Sie, dass hier der Eindruck entsteht, dass hier klare Stimmungsmache betrieben wurde?

Sind wir uns einig, dass es die Aufgabe der Presse ist, so zu informieren, dass die Bürgerinnen und Bürger sich auf der Grundlage objektiv berichteter Tatsachen ihre Meinung bilden können?

Unabhängig davon darf natürlich jeder Journalist im Kommentar seine Beurteilung des Sachverhaltes darstellen. Sind wir uns einig, dass ein Kommentar als solcher erkennbar sein müsste und dass Berichterstattung und Kommentar strikt getrennt werden sollten?

Sind wir uns einig, dass es ein Gebot und Ausweis professioneller journalistischer Arbeit ist, sich "subjektiv um Objektivität" zu bemühen und dass der Eindruck entstehen konnte, dass einige Journalisten sich nicht mal darum bemühten, auch nur den Anschein der Objektivität zu erwecken?

Sie bestätigen, dass Sie die Begegnungen mit dem Bischof als "nicht unangenehm" empfanden. Diese Aussage begegnet mir allenthalben. Wer ihn traf war in der Regel angenehm angetan oder sogar begeistert von ihm. Das berichten Priester und Laien bis hin zur Präsidentin der Limburger Diözesanversammlung, Frau Schillai (Hessenschau vom 12.3.2013: "Ja. Er nimmt Kritik an. Man kann mit ihm reden. Und es gibt Dinge, die einfach, wenn die besprochen wurden, geändert wurden oder nicht so umgesetzt wurden."

Deren Vorgängerin, Beatrix Schlausch, äußert sich am 4.7.2009 in einem Beitrag für die Bistumshomepage folgendermaßen: "In vielen Gesprächen spüre ich, wie viel ihm an einer guten Zusammenarbeit mit den synodalen Gremien liegt. Unserem Bischof ist bewusst: Die Mitarbeit von Ehrenamtlichen in der Kirche wird in Zukunft noch wichtiger.").

Meine intensives Bemühen, endlich die Fakten zu bekommen welche die Gerüchte belegen, wie schlimm der Bischof angeblich mit Menschen umgehe, liefen alle ins Leere. Selbst Herr Pfarrer Albert Dexelmann, antwortete mir trotz mehrfacher freundlicher Anfragen nicht mehr, nachdem ich um wirklich belastbare Fakten und konkrete Beispiele bat. Das absurde Theater, den Bischof als autoritär auftretenden Despoten darstellen zu wollen, gipfelt in einem Beitrag der ZEIT vom 13.3.14, in dem Pfarrer Sascha Jung den letztlich hochpeinlichen Versuch unternahm, Situationen, in denen der Bischof vorbildlich reagierte ins Gegenteil umzudeuten. Pfarrer Jung sammelt Gift gegen den Bischof in der gesamten Diözese. Hätte er belastbare Fakten gegen den Bischof gehabt, hätte er sie garantiert gebracht. Auch er war nicht in der Lage, auf meine Nachfrage hin konkret Auskunft zu geben. Wo ich nachforsche - immer dasselbe! Würde Sie das nicht auch misstrauisch machen? Bis heute gibt es keine Belege für die gebetsmühlenartig wiederholten Behauptungen des angeblich so "autoritären Führungsstil" des Bischofs!

Ich wette um eine Kiste guten Weins mit Ihnen, dass es schneller und mehr Belege für autoritären Führungsstil bei Kardinal Marx oder Kardinal Lehmann zu finden gibt, als bei Bischof Tebartz-van Elst. Allein - das Unterfangen wäre sinnlos, weil das weder für noch gegen die Kardinäle spräche. Genauso sagt die infame Verleumdung "autoritärer Führungsstil" ohne Belege und Zusammenhänge über Tebartz-van Elst nichts. 

Wurde untersucht und publiziert, ob die nach Ansicht des anerkannten Kirchenexperten Walter Kardinal Brandmüller und anderer, dringend angezeigte Neuordnung des unter Bischof Kamphaus verlotterten Ordinariats zu dieser Bewertung führte?

Es gibt Menschen, die glaubhaft darstellen können dass Mitarbeiter/innen, die unfähig oder arbeitsunwillig waren und deshalb ihren Arbeitsplatz verloren bzw. versetzt wurden, dem Bischof feind sind. Das ist durchaus nachvollziehbar. Aber spricht das gegen den Bischof?

Wurde die (Mit-)Verantwortung des Domkapitels und des Generalvikars ausreichend öffentlich dargestellt?

Haben sich Ihre Kolleginnen und Kollegen nicht über weite Strecken von den Gegnern des Bischofs instrumentalisieren lassen, die ihn aus inhaltlichen und kircheninternen Gründen beseitigen wollten?

Nun zu Ihrem Artikel vom 17.02.14, den Sie für sehr gelungen halten.

Zunächst finde ich Ihre Überschrift, Ihre Subhead und die Einleitung nicht ganz fair. Dort wird der Bischof als Verantwortlicher genannt. Nachdem der Leser den Bösen also benannt bekommen und eingeordnet hat, kommt ein entscheidender Satz. Sie sperren ihn zwischen zwei Bindestrichen ein und den zu diesem Zeitpunkt bereits auf Spur gebrachten Leser erreicht er nicht mehr wirksam: "als treibende Kraft sein Generalvikar Franz Kaspar."

Diese Aussagen widersprechen sich. Man kann Ihnen nicht vorwerfen, Sie hätten die Unwahrheit geschrieben. Im Gegenteil. Sie haben die Zusammenhänge erkannt und benannt; aber klug zum Nachteil des Bischofs angeordnet.

Der Artikel hätte auch heißen können: "Bischof entlastet, er musste zwar aus kirchenrechtlichen Gründen alles unterschreiben, aber der in Verwaltungsfragen erfahrene Generalvikar trägt die Hauptverantwortung."

Das bestätigen Sie indirekt durch die Aussage weiter unten: "Treibende Kraft sei in der Regel Generalvikar Kaspar gewesen". Bingo! Warum also die völlig andere Wertung in Überschrift, Subhead und Einleitung?

Mit Ihrer Behauptung: "Die Unterlagen über die Finanzierung seien in eine Geheimregistratur ausgelagert worden" sind Sie einer Ente von SPIEGEL-online aufgesessen. Das Büro zur Lagerung der umfangreichen KPMG-Unterlagen war in keinster Weise ein "Geheimregistratur". Dieses war weder geheim, noch diente es der Vertuschung. Die Auslagerung war sinnvoll und notwendig und selbst wenn die Geheimhaltung aufgrund fortwährender Indiskretionen nicht als nötig angesehen worden wäre, hätten die Unterlagen aufgrund der räumlichen Enge im Limburger Ordinariat ausgelagert werden müssen.

Ihre Behauptung: "Zu Weihnachten hatte der Münsteraner Bischof Felix Genn Tebartz-van Elst in seinem Rückzugsort im bayerischen Kloster Metten besucht und vergebens versucht, ihn zum freiwilligen Amtsverzicht zu bewegen", irritiert mich. Wieso soll Bischof Genn das getan haben, wenn Tebartz-van Elst bereits im Oktober dem Papst seinen Rücktritt angeboten hatte?

Richtig schreiben Sie: "In den Bewertungen und der Antwort auf die Frage, ob Tebartz-van Elst als Bischof in sein Bistum zurückkehren sollte, hält der Bericht sich offenbar zurück." Und zwar völlig. Der Bericht sagt dazu nichts, weil es nicht die Aufgabe war sich dazu zu äußern.

Übrigens hat auch der Heilige Vater in der Annahme des Rücktrittsangebotes Tebartz-van Elsts keinerlei Verurteilung des Bischofs vorgenommen. Im Gegenteil. Er nahm den Rücktritt aufgrund der Situation an, die im Bistum herrscht. Ob diese durch den Bischof oder durch die Gegner des Bischofs mithilfe von Journalisten herbeigeführt wurde, bleibt offen.

Im Vorwort des Prüfberichtes wird klargestellt: "Bewusst hat sie (Anm. die Prüfkommission) sich jeglicher Berücksichtigung und Bewertung von Einflussnahmen Dritter enthalten; eine Würdigung der "Geschichte mit Vorgeschichte" des Bistums Limburg war nicht Aufgabe der Prüfungskommission."

Die Prüfkommission tut gut daran. Es war schlicht nicht ihre Aufgabe. Aber es wäre die Aufgabe von Journalisten gewesen, hier hintergründig und ausgewogener zu analysieren und der Öffentlichkeit Orientierung zu geben. Und sind nicht auch Sie meiner Meinung, dass die meisten Ihrer involvierten Kollegen, genau in diesem Punkt erbärmlich versagt haben? Mehr noch: Wurde nicht über weite Strecken desinformiert, ausgelassen, einseitig zu Lasten des Bischofs dargestellt, wie meine oben aufgeworfenen Fragen zeigen?

Nur der Ordnung halber: "Insidern zufolge soll der Bau deutlich mehr als die inzwischen angegebenen 31 Millionen Euro kosten, die Rede ist von bis zu 40 Millionen Euro." Das gibt der Prüfbericht nicht her. Hier zeigt sich einmal mehr, dass Sie doch besser gewartet hätten, bis der Bericht Fakten liefert.

Daher kann ich Ihre Aussage in Ihrer Antwort an mich "Wenn Sie nun meine Informationen vom Februar mit dem nun veröffentlichten Prüfbericht vergleichen, werden Sie feststellen: Was ich damals geschrieben habe, stimmt." nicht nachvollziehen. Vieles stimmt eben nicht. Oder es stimmt zumindest nur für jemanden, der sich mit einer oberflächlichen und uninformierten Betrachtung zufrieden gibt.

Ihre Schlußfolgerung "Meine Informationen waren gut." kann ich daher nicht nachvollziehen.

Ich stimme völlig überein, wenn Sie sagen: "Andererseits bin ich als Journalist auch verpflichtet, relevante Informationen, von denen ich Kenntnis erhalte, zu veröffentlichen, es sei denn, es stünden höhere Güter wie der Persönlichkeitsschutz dem entgegen." Nur komme ich immer mehr zu der Überzeugung, Sie und viele andere hätten daher früher das Kesseltreiben gegen den Bischof beenden müssen.

Sie sagen zu Recht "Es ist ein kleines Beispiel, in dem sich das Große zeigt. Es darf nichts zugegeben werden. Es darf keine Fehler geben." Sie untersuchen nur leider die Frage nicht, warum das so ist. Müssten Sie nicht zumindest die Möglichkeit in Betracht ziehen, dass die JAHRELANGE Medienhatz gegen den Bischof, die beinahe vom ersten Tag an betrieben wurde, dafür mit eine Ursache sein könnte? (Kennen Sie die Ausarbeitung von Herrn Werner Rothenberger (siehe faireMedien.de)?

Entschieden widerspreche ich Ihrer Beweisführung: "So war es beim Streit mit dem Spiegel um die Frage, auf welchem Sessel denn nun der Bischof nach Indien geflogen ist." Ist Ihnen bekannt, dass der Bischof der Redaktion des SPIEGEL bereits am 5.4.12 schriftlich mitgeteilt hatte, wie es sich verhalten hat: Business gebucht, Upgrade zur ersten Klasse? Als Peter Wensierski den Bischof in einem Überfallinterview nach der Heiligen Messe auf dem Domplatz überrumpelte, gab es nichts mehr zu ergründen, was dem SPIEGEL nicht schon schriftlich vorlag. Was also war das Ziel der Aktion? Berichterstattung oder Fallenstellen?

Die falsche eidesstattliche Versicherung war auch keine bewusste Lüge. Das ergäbe keinen Sinn. In einem nebensächlichen Punkt hat sich der Bischof falsch erinnert. Nun ist auch eine fahrlässig falsch gemachte eidesstattliche Versicherung strafbar. Aber Irrtum ist kein moralisches Kriterium. Lüge sehr wohl. Hätte der Bischof bewusst an Eides statt gelogen, wäre er in der Tat unhaltbar gewesen. Hat er aber nicht. Und so hat auch das Gericht beurteilt, bzw. eingestellt gegen Auflage.

Wie muss man dann aber Journalisten sehen, die diesen Sachverhalt immer wieder falsch darstellen? Vermutlich sogar wider besseres Wissen? Mir liegen Informationen vor, wonach ein Jurist Herrn Daniel Deckers von der FAZ wiederholt darauf hingewiesen hat, dass es sich anders verhält, als Herr Deckers es immer wieder in der Öffentlichkeit darstellt.

Der "Faktencheck-Limburg" wird diesen Punkt in den nächsten Tagen juristisch korrekt darlegen.

Es entstand der Eindruck - der durch wiederholte Berichterstattung immer mehr vertieft wurde - der Bischof habe mehrere Tausend Euro aus Kirchensteuergeldern ausgegeben um First Class zu den Ärmsten zu fliegen. Das wäre nun wirklich übel gewesen. Was ich immer vermisst habe, war die Aufklärung der Öffentlichkeit, dass das Upgrade aus privaten Bonus-Meilen (nicht Flug-Meilen) der Lufthansa Miles-and-more-Kreditkarte und einer kleinen privaten Zuzahlung des Generalvikars finanziert wurde und somit "spendiert" wurde. Der Generalvikar wollte aus Altersgründen auf dem Langstreckenflug bequemer reisen. Aber diese Meldung wäre halt kein Aufreger gewesen, mit der man die Republik wochenlang in Atem halten konnte, nicht wahr?

Ich teile Ihre Ansicht nicht, wenn Sie sagen "Nehmen Sie dann noch das generell gewachsene (und natürlich nicht unbedingt faire) Misstrauen gegenüber der katholischen Kirche, dann haben Sie die Gründe für den Medien-Hype der vergangenen Monate. Ein Hype war es, der sich teils aus sich selber ernährte, aber auch vom Gegenstand des Hypes immer neue Nahrung erhielt."

Unsere Recherchen zeigen, dass durch das Verbreiten von Gerüchten und Behauptungen und immer neues Aufkochen dieser Gerüchte und Behauptungen, immer wieder und laufend neu Öl ins Feuer gegossen wurde (siehe faktencheck-limburg.de). Ein Feuer, das sowohl von den kirchlichen als auch den klar erkennbaren medialen Gegnern des Bischofs entfacht und am Leben gehalten wurde und mit dem er – zugegebenermaßen – stellenweise unklug umging.

Teils fasziniert, aber auch empört, beobachtete ich, wie stets ein Körnchen Wahrheit präsentiert wurde, um das herum man Mutmaßungen und Behauptungen kristallisierte und als glaubwürdig erscheinen ließ, mit denen dann eine Stimmung erzeugt wurde, welche in den Fakten keine ausreichende Begründung fanden.

Die nächste "Redaktion" konnte sich dann wahrheitsgemäß auf die Veröffentlichung berufen. So wurden aus Behauptungen Nachrichten.

Ihrer Schlußfolgerung: "Er hat seiner Kirche geschadet und dem ganzen Land..." kann ich daher nicht beipflichten. Waren es nicht eventuell seine innerkirchlichen Gegner, die einen Bischof beseitigen wollten, der "Lumen gentium" anders interpretierte als sie? Und die dafür in Kauf nahmen, dass die Kirche großen Schaden erleidet? Und mit ihr das gesamte Land? Stadtdekan Graf zu Eltz hat klar gesagt, dass es sich um einen Richtungsstreit handelt. Sprach die hochpeinliche Pressekonferenz des Domkapitels nicht auch Bände?

Vielleicht hätte die Debatte weniger um einen angeblichen "Problembischof" geführt werden müssen, als vielmehr um ein "Problembistum", wie der versierte Vatikanhistoriker Kardinal Brandmüller aufzeigte? Hätte nicht eine Diskussion über das Kirchen- und Amtsverständnis auf Grundlage des II. Vatikanischen Konzils stattfinden müssen? Und genau diese entscheidende Frage, um die es vermutlich hauptsächlich ging, in der "Causa Limburg" wurde fataler Weise nie geführt. Die gesamte Berichterstattung beschäftigte sich mit Nebenschauplätzen. Und das nicht einmal journalistisch sauber und ehrlich. DAS ist für mich die eigentliche Schande für die involvierten Journalisten. DAS macht meiner Meinung nach daraus in der Summe einen Medienskandal.

Natürlich hat Bischof Tebartz-van Elst auch seine menschlichen Fehler. Wer hat die nicht? Natürlich hat er Fehler gemacht. Aber wer hätte weniger Fehler gemacht in einer Diözese, in der er bis auf eine Handvoll Unterstützer nur Gegner in der gesamten Hierarchie und Verwaltung hatte? Vielleicht wäre er in einem anders geprägten Bistum ein verehrter und erfolgreicher Bischof geworden?

Und hat er manche Fehler nicht unter anderem deshalb begangen, weil er jahrelang einem unmenschlichen Druck ausgesetzt wurde? Ich finde es nicht fair, jemanden so lange zu hetzen, bis er sich in Fehler verstrickt und dann für diese Fehler seine Liquidierung zu fordern.

Ferner stellt sich für mich eine weitere grundsätzliche Frage: Wenn Ihre Informationen von einem zur Verschwiegenheit verpflichteten Mitglied der Prüfungskommission stammten (und das scheint offensichtlich), handelt es sich dann bei diesem Herren, der sein Versprechen Diskretion zu wahren gebrochen hat, um einen Ehrenmann? Wenn nein - und so sehe ich das - ist eine solche unehrenhafte Quelle Ihrer würdig? Ist der Bezug auf einen solchen unwürdigen Wortbrecher den Lesern zumutbar? Ich möchte von ehrenhaften Journalisten (zu denen ich Sie zähle), die Ihre Informationen von ehrenhaften Zeugen haben (dazu zähle ich einen Verräter aus einer Prüfkommission nicht), informiert werden.

Ihr Informant hat mit seinem unwürdigen Verhalten die anderen Kommissionsmitglieder in Verdacht gebracht. Wir wissen zwar nicht, wer der Unehrenhafte ist, aber wir wissen, dass mindestens ein Mitglied sich unehrenhaft verhalten hat. Sehr ärgerlich für die Mitglieder, die ihrem gegebenen Wort treu geblieben sind. Und Sie haben durch Ihre Berichterstattung diese Männer in Verruf gebracht.

Was hat Ihren Informanten eigentlich zum Reden gebracht? Redseligkeit? Geltungssucht? Schmiergeld? Und so jemanden muten Sie uns zu?

War es sinnvoll und notwendig diese Informationen zu streuen?

Gut, es fördert Ihr Renommee als investigativer Journalist. Das lässt man sich nicht entgehen. Ich verstehe Ihre Situation.

Aber sonst? Was wäre Schlimmes passiert, wenn die Öffentlichkeit erst einige Tage später die Fakten aus dem Bericht erfahren hätte? Steht dem entstandenen Schaden überhaupt ein Nutzen entgegen, außer Ihrem gestiegenen journalistischen Renommee? Und wie ist es um Ihr Gewissen bestellt. Können Sie so ein unehrenhaftes Verhalten unterstützen und sich moralisch zum Mittäter machen?

Aber ich will da nicht hart sein. Einen solchen Köder lässt man nicht vorbeischwimmen. Bei solchen Versuchungen werden viele schwach. Leider.

Mich erreichen mittlerweile Mails, in denen empörte Menschen fordern, die Rechte der Journalisten einzuschränken, nach der Logik: Wer Sonderrechte hat, hat auch eine besondere Verantwortung. Wer dieser Verantwortung nicht gerecht wird, verliert über kurz oder lang diese Sonderrechte.

Ich teile diese Auffassung nicht. Das wäre das Ende der freien Presse. Dies wäre zugleich eine Katastrophe für unsere Freiheit. Denn eine freie und starke Presse ist absolut notwendig für eine funktionierende Demokratie.

Ich sehe daher kampagnenartige Stimmungsmache durch Journalisten wie wir sie in Limburg über Jahre hinweg erlebt haben, als gefährlich an. 

Überzogene Sicht? Volker Zastrow von der Frankfurter Sonntagszeitung bekennt sich in einem Vortrag „Kampagnen-Journalismus Ja bitte!“ ganz klar zum Kampagnen-Journalismus.

Ich halte dies für einen perversen Paradigmenwechsel, der eines gesellschaftlichen Diskurses bedarf. Wollen wir Kampagnen-Journalismus? Wollen Sie ihn?

Ist es nicht geradezu ein Gebot der Stunde, denen Einhalt zu gebieten, die von ihrer derzeitigen medialen Macht geradezu besoffen scheinen und dadurch das Maß verloren zu haben scheinen - langfristig zu unser aller Nachteil?

Außerdem kann es nicht sein, dass eine handvoll Journalisten nach dem Motto von Lenin "einen strafen - Hunderte erziehen" Bischöfe vom konsequent katholischen Handeln abhalten, weil sie fürchten müssen, dann zur Zielscheibe interessengeleiteter Journalisten zu werden.

Schließlich war der Startschuß für das mediale Trommelfeuer gegen Bischof Tebartz-van Elst die Suspendierung des Wetzlarer Dekans, nachdem dieser in liturgischer Kleidung im Dom eine homosexuelles Paar nach dessen standesamtlicher Trauung pressewirksam gesegnet hatte.

Vor diesem Hintergrund stellt sich dann die eingangs erörterte Frage, ob es nicht doch einige Journalisten an maßgeblicher Stelle gibt, die eine Kampagne betrieben haben. Das Ziel Tebartz-van Elst zu vertreiben ist bei einigen deutlich erkennbar. Vermutlich gab es keine direkten Absprachen. Deren bedurfte es aber auch nicht, weil jeder die Mechanismen kennt und wusste, was er tat, wenn er dem anderen den Ball zuspielte.

Die „Bürgerinitiative für faire Medien“ mit dem Themenschwerpunkt „Faktencheck-Limburg“ ist eine eher spontane Reaktion auf eine Situation, die von vielen Menschen als zunehmend unerträglich empfunden wurde. Der sehr einseitigen und nahezu unwidersprochenen Medienhatz sollte etwas entgegen gesetzt werden. Nicht nur wegen Limburg, nicht nur um einer tendenziösen kirchenfeindlichen Berichterstattung zu begegnen. Es ist vielmehr ein Einsatz für die Demokratie. Diese braucht eine starke und glaubwürdige Presse. Glaubwürdig kann sie nur wieder werden, wenn die massiven Entgleisungen einiger Journalisten aufgearbeitet werden und die seriösen Journalisten (zu denen ich Sie zähle) sich von diesen Entgleisungen endlich klar und öffentlich distanzieren.

Herzlich grüße ich Sie

Thomas Schührer
Sprecher der "Bürgerinitiative für faire Medien""

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Thomas Schührer
Weinbergstr. 22, 76684 Östringen

Weitere Quellen und Belege:

Werner Rothenberger: Medien-Hatz gegen den Limburger Bischof

Analyse des ZEIT-Artikels mit Sascha Jung: Limburger Innenansichten


 

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Der Durchblick e.V. ist ein gemeinnütziger Verein, der sich für die Verkündigung des katholischen Glaubens sowie für das Lebensrecht einsetzt.

 

Zitat des Moments

»Unsere verfolgten Brüder sind die Elite der Kirche; mit ihnen solidarisch zu sein ist eine Ehrensache.«

Pater Werenfried van Straaten (1913-2003), Gründer von »Kirche in Not«