Willkommen auf unserer Homepage!

Der Durchblick e.V. ist ein gemeinnütziger Verein, der sich für die Verkündigung des katholischen Glaubens sowie für das Lebensrecht einsetzt.

Im Herzen der Großstädte - die Monastischen Gemeinschaften von Jerusalem
Apostolate

Mönchtum in modernen Wüsten

Im Herzen der Großstädte – die Monastischen Gemeinschaften von Jerusalem

von Sr. Edith Kürpick

 

Als nach langen Jahren der Studentenseelsorge in Paris Pierre-Marie Delfieux als Einsiedler in die Sahara ging, die Steinwüste unter den Füßen und ein unendlicher Himmel über dem Herzen, spürte er bald: Die eigentlichen Wüsten sind heute – in ihrer Faszination, aber auch Bedrängnis – die Wüsten der Städte.

Wer hier das Wasser des Lebens gefunden hat, darf nicht Hand und Herz verschließen. Er ist gerufen, Quellen entspringen zu lassen und das lebendige Wasser zu teilen.

 

So entstanden vor mehr als dreißig Jahren mitten in Paris, später dann in anderen Städten, zuletzt auch in Köln und Warschau, die Monastischen Gemeinschaften von Jerusalem: eine Brüder- und eine Schwesterngemeinschaft, die als Mönche in der Stadt eine Oase des Gebets und des Friedens, der Stille und des Teilens schaffen möchten.

Der Name Jerusalem weist auf die heilige, himmlische Stadt, zu der hin wir alle unterwegs sind. Er drückt aber auch die Berufung aus, in gelebter Solidarität Städter mit den Städtern zu sein: Wir sind eingebunden in den Kontext der Stadt, arbeiten als Lohnempfänger und wohnen in unserem Kloster zur Miete. Dreimal am Tag kommen wir in unserer Kirche zur Liturgie zusammen.

 

Mönche? In der Stadt? Auf vielen Gesichtern lesen wir oft ein großes Fragezeichen. Da scheint etwas nur schwer hineinzupassen in eine Welt, in der alles nach Erfolg, Leistung und Dynamik ruft. Was hat der Mönch darin zu suchen?

Inmitten der Stadt, die so dringend nach Bauleuten des Gottesreiches sucht, haben wir entdeckt, daß der gleiche Ruf noch um eine Nuance reicher ist: es braucht ebenso dringend Menschen, die der Welt verkünden: das Reich Gottes ist schon mitten unter uns.

Gott ist liebend da, und er ist es wert, gelobt zu werden. Verborgen, aber wirkmächtig, begegnet er der heimlichen Sehnsucht der Menschen. Nach mehr als dreißig Jahren in der Wüste der Stadt haben wir erfahren: dies ist ein bevorzugter Ort der Suche nach dem lebendigen Wasser.

 

Wachmachende Wächter

 

Es braucht Mut, sich dieser Sehnsucht auszusetzen, gerade weil unsere müden Herzen sie kaum bemerken. Und doch ist es der Anfang einer Liebesgeschichte: »Liebe… Öffne dein ganzes Leben der Liebe, die Gott dir als erster entgegenbringt. Bleibe für immer in dieser Gewißheit verankert, denn sie allein kann deinem Leben Sinn, Kraft und Freude schenken«.

(Alle Zitate aus: Im Herzen der Städte. Lebensbuch der Monastischen Gemeinschaften von Jerusalem. Freiburg: Herder, 2000)

 

Hier greifen die Kriterien des Leistungsdenkens nicht mehr; der Mönch lebt und liebt umsonst: da ist kein soziales Werk, das er vorweisen, keine missionarische Erfolgsbilanz, auf die er sich stützen könnte. Wer einmal erfahren hat, zu welcher maßlosen Freundschaft Gott einlädt, wagt es, sich lieben zu lassen, und macht anderen Mut dazu. Gotteslob ist weder Pflicht noch Gesetz; es entspringt dieser Urerfahrung: ich bin geliebt.

Mönche sind wie Wegweiser zu dieser Quelle. »Quellen entspringen zu lassen ist wichtiger als Strukturen zu schaffen. Geh also, bohre den Brunnen und teile das lebendige Wasser…«

Die Stadt ist Jerusalem und Babel zugleich. Sie ist »einer der vorrangigsten Orte der Begegnung von Gott und Mensch: … sie ist der Ort des teilenden Betens und Liebens … gleichzeitig aber auch der Ort des Hochmuts, voller Lärm, Götzendienst, Tod und Elend…«.

Unser Blick auf die Realität der Stadt ist also weder romantisch noch naiv; wir sind gerufen, genau dort die beiden Hände des Lobpreises und der Fürbitte zu erheben. Beides ist untrennbar für den Mönch, es durchquert sein Herz und sein Beten.

 

Stille mitten im Lärm

 

Dieses Beten ist nicht von Klostermauern umgeben; die Stadt selbst wird zur Klausur: zur Bresche, aus der heraus der Lobgesang zum Himmel emporsteigt. Jeden Donnerstag, in Erinnerung an das Leiden Jesu, wachen wir nachts und halten Anbetung. »Bete in der Nacht, inmitten der Leiden und Freuden der Stadt, denn Gott hat dich hier hineingestellt, um wie ein Wächter sehnsüchtig auf den Morgen zu warten… «

Gott hat das letzte Wort, ein unzerstörbares Lebenswort – wie könnten da unser Lob und Dank verstummen? »Arbeite in der Stadt, bete in der Stadt. Arbeite und bete für die Stadt. Weine und singe mit der Stadt.«

 

Seine Berufung macht den Mönch nicht zu einem spirituellen Einzelkämpfer. Er betet in Gemeinschaft, in einer offenen, einladenden Kirche. Die Liturgie der Stadt ist nicht um jeden Preisinnovativ, sondern eingeschrieben in den weiten Strom der betenden Menschen, die uns vorangegangen sind. Sie weiß um ihre jüdischen Wurzeln und vergißt nicht ihre Anfänge, die noch nicht die großen Schismen kannten.

 

Inmitten der lärmverschmutzten Stadt, die ängstlich jeden Hauch von Stille in einem Meer von Dezibel ertränkt, läßt die Liturgie der Stadt in ihren Psalmen und Hymnen Gott zur Sprache kommen. Sie erinnert sich seiner Wundertaten und reißt alle hinein in ihr Gotteslob: Gott hat liebend und heilend gehandelt – er wird es auch heute und morgen noch tun, denn er ist ein treuer Gott. Der Mönch wird so zu einem lebendigen Ausrufezeichen: Gottes Erbarmen währt ewig!

 

Dies gilt immer und überall, doch haben wir unsere liturgischen Gebetszeiten dem Rhythmus der Stadt angepasst: »Bete am Morgen, noch bevor du zur Arbeit gehst, mit denen, die auf dem Weg zur Arbeit sind … bete am Mittag gemeinsam mit denen, die gerade bei der Arbeit sind … bete am Abend mit denen, die von der Arbeit heimkommen. Bete an der Schwelle zur Nacht, um alles zur großen Danksagung, zur Eucharistie werden zu lassen.«

 

Die kostbarsten Gaben Gottes, sein Wort und seine Eucharistie zu teilen, ist so der wichtigste Dienst der Mönche inmitten der Stadtwüste. Denn auch heute noch drängt in den Wüsten unserer Herzen und unserer Städte eine Quelle ans Licht: das Leben in Fülle, das Wunderbare, das Gott denen bereitet hat, die ihn lieben.

 

"Der Durchblick" Nr. 70, Juli 2010

 


Sie haben eine Frage
zu einem bestimmten Thema des katholischen Glaubens?

>>Schreiben Sie uns Ihre Frage, wir suchen für Sie die Antwort!<<

 

Zitat des Moments

»In Zeiten, da Täuschung und Lüge allgegenwärtig sind, ist das Aussprechen der Wahrheit ein revolutionärer Akt! «

Der Schriftsteller George Orwell in seinem Roman »1984«.

Solidarität statt Selbsttötung


Eine Initiative für
einen besseren §217