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Der Durchblick e.V. ist ein gemeinnütziger Verein, der sich für die Verkündigung des katholischen Glaubens sowie für das Lebensrecht einsetzt.

Wie einst vor Pilatus

Gott setzt sich dem Menschen aus, damit der Mensch sich Gott aussetzen kann

von Schwester Simone Burger

 

Die Christen glauben, daß Gott in Jesus Christus Mensch wurde, der zur Zeit des Königs Herodes des Großen und des Kaisers Augustus von einer Tochter Israels in Bethlehem geboren wurde, die Botschaft der Liebe Gottes den Menschen verkündete, Kranke heilte und Tote auferweckte. Unter Pontius Pilatus wurde er in einem schmählichen Prozeß zum Tod am Kreuz verurteilt und hingerichtet (vgl. Katechismus der katholischen Kirche 423).

 

Doch Gottes Liebe erweckte ihn vom Tode und Jesus erschien seinen Aposteln zu verschiedenen Zeiten und an verschiedenen Orten. Bevor er in die Nacht der Todesangst und der Verurteilung ging, feierte er mit seinen Aposteln das Paschamahl, setzte die Eucharistie ein und gab ihnen den Auftrag, dies zu seinem Gedächtnis weiterhin zu vollziehen.

 

Als Katholiken glauben wir, daß Jesus Christus in der Hostie, die während der heiligen Messe in der Wandlung konsekriert wurde, mit Fleisch und Blut, mit Leib und Seele, mit Gottheit und Menschheit wirklich und wahrhaft gegenwärtig ist. Und diese Gegenwart Jesu beschränkt sich nicht auf die Dauer der Heiligen Messe, sondern bleibt darüber hinaus.

 

Daher bewahrt die Kirche die konsekrierten Hostien im Tabernakel auf, um sie den Kranken, die nicht an der Messe teilnehmen können, zu bringen und um Jesus in der Eucharistie anzubeten.

 

Weil Jesus Christus in seiner großen Liebe zu uns auch außerhalb der heiligen Messe leibhaftig gegenwärtig bleiben wollte, beten wir IHN auch außerhalb der Messe an. Dies kann in Stille in allen katholischen Kirchen der Welt vor dem Tabernakel geschehen.

 

Eine besondere Form der Anbetung ist die sogenannte »Aussetzung«: Die konsekrierte Hostie wird in der Monstranz den Gläubigen gezeigt. Jesus setzt sich uns zur Anbetung aus.

 

Bleibende Gegenwart

 

Was heißt das? Ausgesetzt sein bedeutet, der Willkür, der Laune, dem Wohlwollen, oder aber dem Haß anderer Menschen ausgeliefert zu sein, so wie Jesus damals, beim schmählichen Prozeß, den man ihm machte, dem Pöbel ausgeliefert war. Heute setzt er sich in Gestalt eines kleinen Stückchens Brot dem Menschen aus. Er riskiert es, heute wie damals, dem Spott, der Mißhandlung oder auch der Gleichgültigkeit der Menschen »ausgesetzt« zu sein.

Es ist ein großes Geheimnis unseres Glaubens, daß sich Gott in einem Stück Brot, welches von Menschenhand hergestellt und während der Heiligen Messe in seinen Leib gewandelt wird, dem Menschen ausliefert. Er riskiert es, damit wir auf seine Liebe mit Gegenliebe antworten können.

 

Jesus setzt sich in der Gestalt der Hostie den Menschen aus. Die Augen des Leibes sehen die Hostie in der Monstranz. Die Augen des Glaubens sehen »das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinweg nimmt.« Jesus zeigt uns sein geöffnetes Herz das die Fülle der Liebe und des Erbarmens ausströmt. Seine Sehnsucht ist unbegrenzt dem Menschen, der zu ihm kommt diese seine Liebe und sein Erbarmen zu schenken.

 

Von Herz zu Herz

 

Er setzt sich dem Menschen aus und wartet voller Sehnsucht, ihm seine Liebe und sein Erbarmen schenken zu dürfen. Er sehnt sich danach, daß der Mensch, der zur eucharistischen Anbetung kommt, sein Herz weit öffnet und die Gaben seiner Liebe annimmt. Er sehnt sich nach einer Begegnung von Herz zu Herz.

Je mehr sich der Mensch Jesus in der Anbetung öffnet, bereit ist sich von ihm beschenken zu lassen, um so mehr wird er von der Liebe und dem Erbarmen Jesu durchdrungen, ja, soweit, daß es zu einer lebendigen Einheit beider Herzen kommt. Der Mensch der sich Jesus aussetzt, wird erfahren, daß Jesus ihn mit einer Fülle beschenkt, die der Mensch, bevor er sich seinerseits »aussetzt«, nicht erahnen kann.

Es geht dabei nicht um Emotionen, sondern um eine tiefe, klare, den ganzen Menschen durchdringende Erfahrung. Einer Erfahrung des Menschen mit Gott, der selbst Mensch wurde und in der Gestalt des Brotes dem Menschen ganz nahe kommen möchte.

 

Bei der Anbetung dürfen wir vor Jesus da sein, mit allem, was wir sind, so wie wir sind, mit unserer Armut, unseren Schwächen, mit unseren Sorgen, Nöten, Freuden und dürfen auch alle mitbringen, die uns am Herzen liegen oder uns anvertraut sind, ja, wir dürfen die ganze Menschheit zu ihm bringen. Jesus, der Arzt unserer Seelen, möchte uns in der Anbetung heilen und heiligen.

Die fortwährende Anbetung ist die Antwort auf Gottes vollkommene und unendliche Liebe; eine Antwort, die ununterbrochen und auf demütige Weise dem erwiesen wird, der der Schöpfer aller Menschen ist und dem Menschen Leben und Heil schenkt. Wenn wir uns dem eucharistischen Geheimnis in der Anbetung nähern, haben wir Anteil am Herzen Jesu.

 

Es entsteht eine Beziehung von Herz zu Herz, dessen Tiefe nur der Heilige Geist erforschen und wahrnehmen kann. Dabei geht es nicht um schöne Gefühle, sondern um die Freundschaft mit Jesus. Es geht darum, ihm immer ähnlicher zu werden, ihm nachzufolgen, zu wollen, was er will.

Deswegen offenbart sich die Wahrhaftigkeit der eucharistischen Anbetung im Dienst am Nächsten. Die eucharistische Anbetung, führt uns – egal ob Ordensfrau, Kleriker oder Laie – in die Sendung zu den Kranken, Alten, Behinderten, zu denen, die Gott suchen, kurz, zu jedem Menschen, der unsere Liebe braucht, an jeden Ort, wohin uns die Vorsehung führt.

 

Die Autorin ist Generalassistentin der »Schwestern vom heiligen Josef zu Saint-Marc«. Diese Kongregation hat von ihrem Gründer, Abbé Pierre Paul Blanck, im Jahr 1845 das Charisma erhalten, die Anbetung des Allerheiligsten mit Handarbeit und Dienst am Nächsten zu verbinden. Getreu dem Leitwort »Von der Anbetung zum Dienst - vom Dienst zur Anbetung« verbinden die Schwestern bis heute die besondere Pflege der Eucharistischen Anbetung mit caritativem Einsatz.

Kontakt zum Provinzhaus: Kloster St. Trudpert, 79244 Münstertal, Tel.: 07636/7802-0, Fax: 07636/7802-190, email: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.

Homepage: www.josefsschwestern-zusaint-marc.org

 

"Der Durchblick" Nr. 57, Mai 2008

 


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Zitat des Moments

»Wer ihm begegnete, wurde froh. Wer mit ihm sprach, spürte eine tief verwurzelte und zugleich erfrischende Spiritualität. Da gab es eine einzigartige Mischung aus Energie und Gelassenheit. Habt keine Angst und reißt die Tore weit auf für Christus – das lebte er. Und er konnte andere anstecken mit seiner Klarheit. Er hat nicht nur die Kirche bewegt und gesteuert, sondern auch die Welt.«

Der Publizist Martin Lohmann über Johannes Paul II. in einem Interview mit »kathnews.de« am 18.01.2011.

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