Auch Staatsmann und Manager
Gott wurde Menschenkind, damit wir Gotteskinder werden können
von Michael Hanuschik
Weihnachten. Schon wieder oder endlich, denken viele. Für einige sind es die ersehnten freien Tage nach einem hektischen Jahr, für die anderen bedeutet das Fest ein harmonisches Familientreffen. In der Vorweihnachtszeit finden in den Betrieben Weihnachtsfeiern statt, am letzten Arbeitstag sitzt man gemütlich zusammen, und dieses Gefühl, man hat es wieder einmal geschafft, das Arbeitsjahr ist zu Ende, kommt auf.
Wie sieht es mit Weihnachtsgeschenken aus? Was schenke ich meinen Kindern, was meinen Lieben? Haben wir alles geplant, damit Weihnachten gut gelingt? Betriebsamkeit ist angesagt und wir eilen oft im Treiben der überfüllten Innenstädte und Weihnachtsmärkte auf Weihnachten zu.
Gehört nicht doch zum Fest etwas Kirchliches? Ach ja, die Kindermesse mit Krippenspiel am Heilig-Abend-Nachmittag, die überfüllt und unruhig ist, so daß kaum Andacht stattfinden kann. Die Krippe – der Mittelpunkt des Geschehens? Bestimmt, bloß Weihnachten ist mehr als ein Krippenspiel.
Wer Weihnachten innerlicher, intensiver, klarer erleben möchte, braucht dazu kein Brauchtum. Er wird still, geht zur Krippe, schaut auf das Gotteskind und erfährt die gewaltige Tragkraft, die hinter diesem Geschehen steckt.
Gott zeigt sich uns. Er zeigt seine großartige Liebe zu uns Menschen. Zu jedem einzelnen. Er verbindet durch die Geburt seines Sohnes das Göttliche, was Ihn ausmacht, mit dem Menschlichen. Gott liebt mich und diese Liebe ist so groß, daß er uns seinen Sohn durch Maria in die Krippe legt, um uns klar zu machen, wie menschennah er ist. Diese Verbindung Gott-Mensch ist so faszinierend und sogleich spannend an unserem Glauben. »Werdet wie die Kinder.« Sagt uns das was?
Kindliche Gewissheit
Leben aus der Gotteskindschaft, was bedeutet das für unseren Alltag? Mir als Tischlermeister helfen während des Tages, der fürwahr viele Facetten hat und bei jedem anders abläuft, die Stoßgebete. Das sind kurze Anrufungen, Verbindungen zu Gott. So werde ich freier von üblichen Denkweisen und sehe die Geschehnisse aus einer anderen Sicht. Alles wird einfacher, weil ich weiß, Gott hält meinen Rücken frei.
Es ist wie die kindliche Gewißheit, die sagt, ich bin geborgen bei der Mutter. Vertraute Einfachheit. Aber ist das nicht kindisch, wenn z.B. ein Professor, ein Staatsmann, ein Spitzenmanager wie ein kleines Kind zu Gott ruft, könnte man fragen.
Ich lenke ein und rege zur Überlegung an: Wenn Gott nicht existieren und schaffen würde, wäre der Professor, der Staatsmann, der Spitzenmanager gar nicht. Schon aus dieser Tatsache heraus ist vom Menschen ein kindliches Verhältnis zum Schöpfer, Gott, rein natürlich und normal. Ich bin ein Kind Gottes! Fantastisch!
Diese Gewißheit, Kind Gottes zu sein, ruft nach einer immer wiederkehrenden Bestätigung dieser Tatsache. Das ist das Beten, Sprechen mit Gott. Und Gott wartet auf unser Sprechen. Durch das Beten erfahre ich Ihn. Das Beten kann demnach durchaus kindlich, stammelnd einfach sein.
Jesus gab uns eine Vorlage zum Beten, das »Vaterunser.« Schön ist es, das mal zu »durchbeten«, damit meine ich, jeden einzelnen Satz zu meditieren und betrachten. Ich wage zu behaupten, daß Jesus bei diesem Gebet gerade die Kinder vor Augen hatte, weil es so leicht zu verstehen ist.
Natürlich und normal
Noch einen Gedanken zu Weihnachten könnte man aufgreifen. Ein neugeborenes Kind ist erstmal hilflos und braucht Zuwendung und Aufmerksamkeit. Auch das Gotteskind, Jesus, war völlig hilflos und in allen Belangen angewiesen auf Maria und Josef. Gott wollte es so und er hat es so als Zeichen an uns gerichtet, nämlich als Zeichen der Normalität.
Wie jedes andere Kind war Jesus. Er hatte Hunger und wurde gestillt wie jedes andere Kind. Normal eben. Und das bei einem König und Friedensfürst, einem Erlöser und Sohn Gottes.
Wir Christen halten immer wieder fest an Jesus. Und das müßte uns eigentlich leicht fallen, weil wir diese Tatsache der Normalität und Natürlichkeit bei Jesus gerade zu Weihnachten sehen. Aber wie schwer fällt es uns, an Ihn zu glauben?
Woran liegt das? Sprechen wir nicht oft zu kompliziert, vielleicht zu arrogant mit Ihm? Er weiß sowieso alles über uns. Der normale Umgang mit Jesus ist der richtige Weg, um immer tiefer und mehr zu glauben.
Im Bekanntenkreis spricht man über vieles, aber ungern über den Glauben. Und wenn, dann ist man doch manchmal erstaunt, woran alles geglaubt wird. Selbst wer an nichts glaubt, glaubt auch, nämlich wiederum an die Normalität, an die er sich hält und orientiert.
Warum zieren wir Christen uns eigentlich so, unseren Glauben zu zeigen, wenn doch der Glaube und das, an was wir glauben, anscheinend so normal ist?
Warum halten wir nicht kurz inne, bevor wir in einem Restaurant oder bei öffentlichen Anlässen eine Mahlzeit zu uns nehmen als Ausdruck des Dankens und sprechen ein Gebet? Warum genieren wir uns, während einer Kirchenführung eine Kniebeuge vor dem Allerheiligsten zu machen als Zeichen der Verehrung?
Es ist heute schick, wenn man sich »outet«. Das wird geschätzt in der Öffentlichkeit. Warum sind wir es oft in diesem Punkt als Christen nicht? Weiß z.B. mein Kollege, meine Kollegin, daß ich irgendetwas mit Jesus, dem Papst und der Kirche zu tun habe?
Vielleicht habe ich es mal angedeutet und dabei belassen, weil ich befürchte, womöglich sonst dumme Kommentare zu hören und in eine nicht gerade angesehene Ecke gestellt zu werden. Ich erlebe manchmal Kunden oder Leute, die ganz offen und unverfroren von sich aus über ihren Glauben sprechen, ohne unbedingt das Glaubensleben zu pflegen.
Unseren Glauben zeigen!
Wir Christen haben etwas Wunderbares zu verkaufen. Das muß uns bewußt werden und durch uns den Personen, mit denen wir alltäglich zu tun haben. Dieses Bewußtsein, wir sind Kinder Gottes und das Einbinden Gottes in unserem Denken und Handeln, das stärkt uns ungemein. Wir verlieren nichts, sondern können nur dazu gewinnen. Erleben wir an Weihnachten das Kind in der Krippe.
"Der Durchblick" Nr. 66, November 2009 |